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Abreife und Ernte

Vor allem durch den großen Einfluss auf die Qualität der geernteten Ware verdienen der Abreifeprozess und die Beachtung der Erntetechnik besondere Aufmerksamkeit.

Grundsätzlich leitet die Abreife den Übergang in die Keimruhe (= „Austriebsruhe“) ein. Dieses bedeutet Beginn der Übergangszeit zum zweiten, dann generativen Jahr und dient ursprünglich der Überwindung ungünstiger Klimaperioden (z.B. Wassermangel).

Der negative Einfluss von physikalischen Störfaktoren auf die Lagerfähigkeit macht es notwendig, möglichst viele Ernte- und Aufbereitungsarbeiten bis zum endgültigen Beginn der Ruheperiode abgeschlossen zu haben. Die Zwiebel ist dann fest und rascheltrocken, der Hals u.a. zum Schutz gegen Schaderreger eng und trocken eingeschnürt.

Eingeleitet wir die Abreife durch die nach Beginn recht schnell verlaufende Unterbindung des Saftstromes vor allen Dingen von oben nach unten. Der Zwiebelhals wird weich, knickt ab, wirkt bei noch grünem Laub welk und beginnt erkennbar „einzuziehen“. Der günstigste Erntezeitpunkt liegt bei ca. 60 % eingezogener Hälse.

Zur Beschleunigung des Trocknungsprozesses wird das Laub heute durch geeignete Schlegelhäcksler auf ca. 5 – 10 cm Halslänge über der Verzweigung des Blattapparates abgeschlagen, sowie die Zwiebeln in unmittelbarer Folge durch Scheiben- oder Siebkettenroder aufgenommen und im Schwad abgelegt. Zu langes, trockenes Laub, das an der Zwiebelbulbe verbleibt, behindert später Durchlüftung des Lagerbestandes, erfordert aufwendigere Sortierarbeit und verzögert nicht zuletzt die Abtrocknung und damit ein zügiges Ernteverfahren.

Bei ungünstiger, regnerischer Witterung kann der natürliche Trocknungsprozess im Schwad in der sogenannten einphasigen Ernte durch künstliche Trocknung ersetzt werden, die bei richtiger Handhabung heute vergleichbar gute Lagerergebnisse wie die „ideale Feldtrocknung“ zulässt.

Im Schwad oder der künstlichen Trocknung verbleiben die Zwiebeln bis zum vollständigen Einziehen und Abschnüren des Halses und der Wurzel. Erst dann erfolgt die Übernahme in das Langzeitlager bzw. zur Aufarbeitung und Vermarktung.

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Die Wahl des Ernteverfahrens ist stark abhängig von den jeweiligen Standortfaktoren (Klima und Boden), von der entsprechenden Sortenwahl (Sommer- oder Winterzwiebel, gleichmäßige Abreife von Hybriden), von der einsetzbaren Technik (Ernte-, Trocknungs- und Lagerkapazität) sowie der Vermarktungsform (Sofortverkauf, Lager, zentrale Erfassung) und muss von Fall zu Fall bestimmt und festgelegt werden.

Mehrphasige Ernte, d.h. Abschlegeln, Aufnehmen und Schwadablage, Trocknen im Feld, Aufnehmen und Lagern empfiehlt sich in warmen Gebieten mit relativ sicherem Ernteklima. Einphasige Ernte, d.h. sofort nach dem Aufnehmen laden, künstlich trocknen und einlagern bzw. vermarkten ist in ungünstigen, regengefährdeten Lagen vorzuziehen.

Bei der Schwadablage ist unbedingt darauf zu achten, die Zwiebeln möglichst trocken zu halten. Dies erfordert ggf. nach Regenfällen ein- bis zweimaliges Wenden, wofür geeignete Siebkettengeräte eingesetzt werden. Ein oder zwei kurze Regenfälle bei ansonsten günstigem warmen Trockenklima schaden den Zwiebeln im Schwad nicht, sondern können ggf. harte Kluten zerfallen lassen, die sonst während des Lade- und Aufbereitungsvorganges die Bulben schädigen und zusätzliche Sortierarbeiten notwendig machen.

Zur Aufnahme auf dem Schwad und Überladung auf Wagen oder in Kästen kommen heute zum Teil Vollernter, zum Teil umgebaute Kartoffelroder und andere Verfahren zum Einsatz. Hier gilt: Das schonendste Ernteverfahren ist gerade gut genug!

Fallhöhen und Stöße durch harte Kanten sind durch entsprechende Maßnahmen wie Fallsäcke, Fallsegel, Abpolsterungen und ähnliches soweit wie möglich einzuschränken. Durch Krankheitserreger oder mechanisch irgendwie geschädigte Zwiebeln gehören nicht ins Lager und schon gar nicht auf den Markt!